Belarus 6: FC Gomel – FC Slavia Mozyr

Da wir in Gomel richtig früh dran waren, lief es bei einem Profispiel zum ersten Mal so richtig entspannt ab. Wir parkten direkt, etwa 30 Meter, vor dem Ticketschalter, gönnten uns Tickets ohne dafür in einer Schlange anzustehen und liefen dann erst Mal los, um etwas zu Essen zu suchen.
Selbstredend kamen wir hierbei an einem Panzer vorbei, wäre ja sonst auch nicht authentisch gewesen.

Auf Grund des erhöhten Blasendrucks zweier Mitreisenden wurde das erstbeste Lokal geentert. Im Nachhinein muss ich sagen: Das war ein Fehler.
Da saßen wir also nun, in irgend nem Hipsterladen mit seiner alternativen Speisekarte und seiner Kinderspielecke mitten im Laden. Nun gut, Hauptsache was zu essen und weiter ging’s.

Das Stadion um die Ecke war dann das erste und einzige große Stadion, welches Tribünen auf allen vier Seiten des Spielfelds inklusive geschlossener Ecken vorweisen konnte. Die Gegengerade war hierbei als einzige Tribüne deutlich kleiner, während die restlichen Seiten des Stadions von der gleichen Bauweise waren. Irgendwie wirkte das Stadion sehr brachial. Gefällt mir wirklich sehr gut das Stadion.
An diesem Tag gab es außerdem einen richtig geilen Himmel, sodass einer der Flutlichtmasten traumhaft im Abendrot gen Himmel ragte. Ein Bild für Götter, so kann man unser Hobby doch nur lieben.

Das Spiel heute war eine Art Lokalderby, da Gomel und Mosyr nur etwa 100km trennen. Wirkliche Derbyatmosphäre war für mich zwar nicht zu spüren aber wer weiß, was hier sonst so los ist.
Die Gäste wurden am linken Ende der kleinen Gegengerade abgestellt und wiesen einen Haufen von etwa 50-60 aktiven Anhängern vor. Kleine Truppe, hoch motiviert. Hat so in der Form auf jeden Fall überzeugt.
Dem gegenüber stand der heimische Mob im Oberrang der Ecke am anderen Ende der kleinen Gegengerade. Durch die erhöhte Position und ihre zahlenmäßige Überlegenheit (etwa die doppelte Anzahl) waren sie auf den Rängen klar überlegen. Dennoch hat mir der Support nicht so gut gefallen, war er doch eine Spur eintöniger und weniger emotional.
Aber man will ja nicht motzen: Ein geiles Stadion mit geilem Ausblick und dazu zwei Szenen mit gutem Support. Was will das Herz denn mehr?

Ach ja, na gut, guter Fußball wäre natürlich noch nicht schlecht, wenn man schon zu Besuch auf einem Fußballspiel ist. Das gabs zum Glück zum Abschluss der Tour auch noch, sodass man satte vier Tore zum 2:2 Endstand sah.
Kurios war übrigens auch die Völkerwanderung zur Halbzeit. Die heimischen Fans wechselten mit ihrem Team die Spielfeldhälfte, sodass sie die kompletten 90 Minuten stets hinter dem Tor der Gegner saßen. Hab ich so jetzt auch noch nicht gesehen.

Nach dem Spiel trennten sich am lokalen Busbahnhof die Wege. Während die Heidenheimer Reisegruppe von hier ab mit dem Bus weiterreiste, fuhren die anderen beiden zurück nach Minsk, um von dort nach Hause zu reisen.

So ging es für uns also in den Nachtbus nach Kiew, welcher wieder ungefähr die Hälfte der Zeit für die Grenzkontrolle benötigte. Nachdem ich mich in Bericht 1 so großkotzig darüber ausgelassen hatte wie langweilig das war, dachten sich die Grenzer in dieser Nacht freundlicherweise das zu ändern.
Auch bei der Ausreise mussten wir nochmals vorweisen, weshalb wir im Land waren. Wie bereits beschrieben hatten wir kein Visum, sondern nutzten die European Games zur Einreise. Dummerweise sind die Tickets für eben dieses Event nicht personalisiert, sodass wir lediglich ausgedruckte Zettel für dieses Event hatten aber keine Eintrittskarte die tatsächlich uns gehörten.
Tolle Geschichte, haben wir uns ja nicht ausgesucht die unpersonalisierten Tickets zu bestellen.

Viel Diskussion und drei Vorgesetzte später hatte der Chef Chef dann aber doch Mitleid als er in unsere übermüdeten Gesichter schaute und erlaubte uns die Ausreise. Nochmal Glück gehabt. So ne Nacht im Gulag wäre sicher nicht so spaßig geworden.

Es ging also weiter nach Kiew wo bereits ein herzhaftes McDonalds Frühstück direkt am Busbahnhof auf uns wartete. Nachdem wir mit all der Verpackung die Umwelt geschädigt hatten, beschlossen wir dies wieder gut zu machen und orderten einen E-Uber zum Flughafen.
Vorbildlich, für die Erderwärmung können wir schon Mal nicht verantwortlich sein.

Als wir dann in Frankfurt landeten gab es zum Abschluss noch einen kleinen Aufreger. Eigentlich sollte die Tour bei einem gemeinsamen Essen zu Hause ausgeklungen werden, leider entschied sich der Knöchel meiner Freundin auf die Größe eines Tennisballs anzuschwellen, sodass wir dann doch lieber zum Arzt fuhren.
Fremde Stechmücken führen zu teils komischen Reaktionen des Körpers, zum Glück aber nichts weiter schlimmes, sodass diese Tour doch noch einen positiven Abschluss fand.

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