4.000km Roadtrip – Part 2: Rumänien

Nach dem absolut lohnenden Besuch in Tiraspol, Transnistrien, und einem gemütlichen Tag ohne Plan in Chişinău, ging es gestern in aller Früh zurück in Richtung Rumänien.

Das auf 7 Uhr bestellte Taxi war überpünktlich und brachte uns infolgedessen auch mit mehr als genügend Puffer zum südlichen Busbahnhof der moldawischen Hauptstadt.
Hier hatten wir sogar das Glück einen recht modernen Kleinbus zu erwischen, sodass die anschließenden 4 Stunden zurück nach Iași in Rumänien sehr entspannt verliefen.
Highlight hier sicherlich, wie unser Fahrer an der Grenze Zigaretten kaufen ging und dann jeder Mitfahrer zwei Päckchen als “seine eigenen” für ihn über die Grenze bringen musste. 
Klassiker.

In Iași ging es wie schon bei der Hinfahrt mit einem Uber zur Palas Mall, wo das Auto zum Glück noch unversehrt an seinem Platz stand. Ich will an dieser Stelle niemandem etwas Nachsagen aber so ein bisschen ein mulmiges Gefühl ist es ja doch, wenn man in der unbekannten Ferne das Auto für 4 Tage zurücklässt. 
Witzigerweise war das gleiche Wachpersonal im Dienst wie bei unserer Ankunft, sodass wir mit einem Lachen plus Daumen hoch willkommen geheißen wurden. 

Von Iași führte die Reise weiter in Richtung der Region Transylvanien, auch bekannt als Siebenbürgen. Wenngleich das Ziel dort zwar eigentlich Sibiu bzw. Hermannstadt lautete, führte unsere Strecke zunächst an der Stadt Brașov vorbei weiter nach Süden. 
Wir hatten noch eine Nacht hier geplant, da wir uns das – zumindest wird es als solches den Touris verkauft – legendäre Schloss Draculas anschauen wollten. Onkel Google sagt allerdings, dass das Schloss Bran wahrscheinlich weder Vorlage noch das Graf Dracul (welcher wiederum wahrscheinlich Vorlage für Dracula selbst war) hier je tatsächlich zu Besuch war. Egal, schönes Fleckchen wenngleich auch sehr unspektakulär.

Beim Abendessen wurde dann nochmals, zur Sicherheit, die Facebookseite des 2015 gegründeten FC Hermannstadt gecheckt. Dies führte leider zur sofortigen Appetitlosigkeit: Ausverkauft. Das Stadion fasst heute gar keine 19.000, sondern nur noch 4.000 Zuschauer.
Aus Renovierungs- und Sicherheitsgründen. Folgerichtig erhält auch Cluj nur 250 Karten. Grandios, das war nun absolut nicht das, was wir hören wollten.

Am nächsten Morgen ging es also frühs weiter nach Hermannstadt, wo direkt das Stadion angesteuert wurde. Hier jedoch alles komplett verlassen, lediglich ein paar Handwerker bauten an einem Eingang noch fix die Treppen fertig. Auch okay, so knapp fünf Stunden vor Spielbeginn. 
Da es hier also noch zwecklos war, zog es uns in die Innenstadt. Kurz ins Hostel einchecken, Tourirunde im Schnelldurchlauf, da alles sehr eng beieinander ist und ab in nen schönen Biergarten direkt am zentralen Platz. Allgemein muss man aber sagen, dass Sibiu bzw. Hermannstadt eine unfassbar schöne Stadt ist. Wir waren zumindest beide direkt schwer verliebt.
Mittagessen inklusive der Gäste aus Cluj im Lokal nebenan, steigerte die Stimmung dann doch direkt und machte umso mehr Bock auf das Spiel. Die Jungs hatten zumindest bereits mittags schon gute Laune und feierten lautstark.

Ungefähr 3 Stunden vor Spielbeginn waren wir dann wieder am Stadion und versuchten unser Glück auf der Fläche hinter der, einzig verbliebenen, Tribüne. Leider war hier nach wie vor tote Hose, lediglich ein Kollege – welcher vermutlich zur Heimszene gehörte, da er direkt den Vereinsfotograf begrüßte – war hier und beäugte uns etwas komisch. 
Witzigerweise fragte er kurze Zeit später auch aktiv nach Karten, sodass wir ins Gespräch kamen und Max aus Niedersachsen kennenlernten. Nach dem Austausch über bereits gemachte Erfahrungen und Versuche, zogen wir also zu dritt umher und suchten Karten, was etwa 40 Minuten vor Anpfiff zum Glück endlich gelang. 
25 RON, der Originalpreis pro Karte, bedeuten ungefähr 5,30€ und die Berechtigung in etwa auf der Höhe der Mittellinie Platz zu nehmen. Sehr geil.

Das Stadion war einst eine schöne 19.000er Schüssel, besteht heute aber nur noch aus einer großen, neu gebauten Haupttribüne. Eine der Hintertorkurven ist zwar noch da, allerdings sind die Stufen bereits abgerissen und mit Planen abgedeckt. Lediglich der am weitesten entfernte Bereich weißt noch einige Sitzschalen vor und dient heute als Gästesektor. Auch mal ne Lösung.
Blick von der Haupttribüne dadurch aber perfekt auf die Gäste sowie auf die dahinter liegenden Karpaten am Horizont. Das war schon absolut sehenswert. 

Das Spiel selbst war anfangs träge, wurde dann aber vor allem in Halbzeit zwei richtig spannend. Cluj ging zum Glück in Führung, sodass nur noch ein Tor zur Verlängerung fehlte. Hermannstadt hatte das Spiel zwar größtenteils in der Hand, konnte jedoch nichts daraus machen. Neben einem klaren Abseitstor gab es sonst nur zwei, drei Chancen für die Hausherren. 
Auf der anderen Seite konnte Cluj einfach viel zu wenig dagegensetzen, sodass Hermannstadt schlussendlich, mehr oder weniger sicher, die Liga halten konnte. 

Die Besonderheit des Spiels veranlasste den aktiven Kern der Heimseite übrigens zu einer kleinen Choreo inkl. Rauch. Ansonsten waren sie allerdings nicht sehr lautstark unterwegs, sodass der übrige Teil der heimischen Tribüne ihnen regelmäßig die Show raubte. Schlachtrufe und zwei Standardlieder wurden fast permanent vom Großteil der Anwesenden lautstark zur Motivation der eigenen Mannen zelebriert.
Dies bedeutete dann auch, dass man Cluj leider nur selten wirklich hörte. Das was ankam und auch der visuelle Auftritt der Gäste war dafür aber absolute klasse. Alle zogen die kompletten 90 Minuten mit, dazu schöne Einlagen mit Schals, ziemlich melodische Lieder und sogar eine Liebeserklärung mittels Spruchbänder und Fackeln an den eigenen Club: „Dies ist die Geschichte so vieler Generationen, die seit einer langen Zeit leben, um dich zu lieben und dieses heilige Erbe nur denen überlassen, die es zu schätzen wissen.“. Hat also auf ganzer Linie überzeugt. 

Nach dem Spiel zog es uns drei in die Innenstadt, um noch etwas zu quatschen bevor sich die Wege für die jeweilige Heimreise dann wieder trennten. 

Alles in allem ein gelungener Tag mit allem was dazu gehört. Einfach mal in der Fremde vollkommen planlos ankommen, sich vor Ort die Gegebenheiten ansehen und am Ende dann doch noch ein gutes Spiel sehen. So kann man den Länderpunkt Nummer 40 doch mal machen. Wobei mich dieses Land mit Sicherheit nicht das letzte Mal gesehen hat.

#Olitsch

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