4000km Roadtrip – Part 1: Moldau

Berichte schreiben… sowas anstrengendes.
Lang ist’s her, seit ich den letzten geschrieben habe. Weiß gar nicht mehr recht, wie das so wirklich geht. 
Die Umstände machen‘s auch nicht gerade leichter, hier in einem steinalten Bus von Chişinău nach Tiraspol, der Hauptstadt des nicht existenten Staates Transnistrien. Klimaanlage gibts natürlich auch nicht, also hats gemütliche – gefühlte – 35°C bei einer Luftfeuchtigkeit von mindestens 80%. Zumindest sind mein Sitz und ich mittlerweile zu einer Einheit verschmolzen…
Ganz abgesehen davon, dass die Freundin langsam aber sicher auch leicht quengelig wird. Diesen Satz fand übrigens auch nur ich lustig. Hat der Gesamtsituation nicht wirklich geholfen.

Spontanerweise haben Freundin und ich Sonntag gesprochen, dass wir unseren Sommerurlaub noch nehmen müssen. Nach Terminabgleich blieb nur eins: 
Montag auf Arbeit Urlaub klären, wenn das klar geht, dann Dienstag buchen/planen und Mittwoch los. 
Gesagt, getan. Urlaub ging klar, die Option Moldawien & Rumänien bekam den Zuschlag gegenüber Kaukasus oder Island & Färöer und so ging es Mittwoch gegen 11 Uhr los ins Auto, um in den nächsten 1,5 Wochen mal eben knapp über 4.000km abzuspulen. 
Da es auch Urlaub sein sollte, wurde die Route nach dem Motto „Der Weg ist das Ziel“ gewählt, sodass wir nach Zwischenstopp in Budapest, nicht den direkten Weg nach Chişinău, Hauptstadt Moldawiens, wählten, sondern Rumänien entlang der ukrainischen Grenze durchquerten. Das war es auch absolut wert, die Karpaten sind wirklich ein traumhaftes Fleckchen Land. Inklusive Übernachtung in nem Dorf dort, die absolut richtige Entscheidung. Dass 250km ungefähr 5 Stunden Fahrzeit bedeuten, muss hier aber auch in Kauf genommen werden.

In Rumänien ging es dann bis Iași, wo das Auto im Parkhaus der Palas Mall abgestellt wurde. Verständigung, ob man hier 4 Tage stehen darf, klappte dank der Übersetzer-App auf dem Handy doch überraschend gut. 
Mit dem Uber ging es weiter zum Busbahnhof (eigentlich ein kleiner Parkplatz zwischen zwei Hochhäusern) und von dort im Minibus ab nach Moldawien. Gezahlt wird direkt beim Fahrer, der natürlich kein Wort Englisch kann. Hat dann aber dank der Hilfe von Mitfahrern gut funktioniert. Fahrt dauert gute 4,5h inkl. Grenzübergang und ist eine ziemlich holprige Angelegenheit. Von der Hitze ganz abzusehen aber das hatten wir ja schon.
An der Grenze dann ganz entspannt, wobei man hier schon gute 30 Minuten rechnen muss. Wer die Route mit dem eigenen Auto plant, deutlich mehr Zeit nehmen! Wir durften dankenswerterweise um den kompletten Stau rumfahren (und haben dennoch 30 Minuten benötigt).

In Chişinău wurde dann das „Hostel“, im Hinterhof betriebene kleine Zimmer eines Hotels, bezogen, bevor es zum Reiseabschluss (ca. 400km in gut 10h) in ne Wirtschaft um die Ecke auf ein, zwei kalte Bier ging.
Da sich die Reise derart in die Länge zog, kamen wir erst gegen 19:30 Uhr in der moldawischen Hauptstadt an. Dies hatte wiederum zur Folge, dass wir das mögliche Viertligaspiel an diesem Tag leider verpassten. Sei’s drum.

Am nächsten Morgen ging’s zur Sicherheit direkt morgens ans Stadion, um Tickets für die Partie am gleichen Abend zu besorgen: Moldawien – Andorra
Fußballerischer Hochgenuss war vorprogrammiert.
Kurzer Tipp am Rande: Taxis bekommt man hier nicht, wie ich es sonst aus dem Ostblock so kannte, ganze easy an der Straße. Hier ist es üblich die Taxis vorher zu bestellen oder an gewissen Taxisammelpunkten einzusteigen. Das Heranwinken an der Straße ist extreme Glückssache. Wussten wir nicht, hat uns Zeit und Nerven wie sau gekostet… wieder schlauer

Mit den Tickets in der Tasche (100 Lei = ca. 4,90€ für Sitzer direkt hinter dem Tor) ging es dann in die Innenstadt zurück, um die landestypische Küche zu probieren und die Stadt inkl. der typischen Sehenswürdigkeiten zu erkunden. 
Chişinău ist hierbei eine wirklich schöne und auch ziemlich moderne Stadt. Klar sind die Platten noch aus der Sovjetzeit aber das passt gut rein. Ganz abgesehen davon, dass ich auf die alte Sovjetarchitektur steh und das ziemlich cool find.

Abends ging es dann, nach der Negativerfahrung mit dem Taxi, in ne Kneipe Nahe der Bushaltestelle, bevor man später todesmutig einfach einen enterte. Kein Plan wo Tickets gekauft werden, Bus überfüllt und natürlich wieder mega heiß. Körperkontakt mit fremden Menschen voller Schweiß – geil! 
Nach etwa ner Minute Fahrt klopft dir dann jemand auf die Schulter und will dir Tickets verkaufen. Starker Service, die Dame pendelt nämlich die ganze Fahrt über zwischen allen drei Türen und sorgt dafür, dass ja wirklich keiner schwarzfährt. 
Tickets löhnen übrigens 2 Lei, also ganze 10 Cent. Absoluter Wucher, richtige Frechheit für 5km!

Das Stadion Zimbru, seines Zeichens Heimspielstätte des gleichnamigen FC Zimbru, war dann, leider, ein eher moderneres Stadion. War ja aber zu erwarten, nachdem es sich um eine UEFA-Veranstaltung handelte.
Gute 10.000 Leute passen rein würde ich schätzen. Hierfür hat es ringsum zwei Ränge, wobei die oberen Ränge jeweils etwa 5 Reihen beinhalten. Dennoch irgendwie cool, weil es arg unsymmetrisch und irgendwie anders ist. Die Gegengerade bspw. hat den Spieß einfach umgedreht, unten kaum Plätze, dafür aber oben mehr. Ganz davon abgesehen, dass die Spielerbänke einfach die Mitte der Tribüne darstellen. 
Hab ich so auch noch nicht gesehen.

Rund um das Stadion dann wieder die klassischen Sovjet-Plattenbauten, welche das Erscheinungsbild für mich persönlich perfekt abrundeten. 
Den Anwohnern ist das Stadion samt Veranstaltung wohl auch ganz recht, immerhin waren die Balkone gut gefüllt mit Zuschauern.

Auf dem Rasen sah man dann ein noch schlechteres Spiel als erwartet. Moldawien mit einem absoluten Zufallstor, auf welches nichts mehr folgte. Als einziges Highlight sei die gelb-rote Karte für den moldawischen Kapitän nach der Halbzeit genannt, änderte aber am Spiel irgendwie gar nichts. 
Ein Spiel, dass so wohl niemals in Erinnerung bleiben würde, wäre das – durch das verpasste Spiel am Vorabend – nicht zugleich auch das Spiel zum Länderpunkte Nummer 39.
Freundin hatte mit diesem Spiel übrigens LP 7 eingetütet und fand das als dermaßenes Highlight, dass sie sich tatsächlich noch die Groundhopper-App installiert hat. Nicht mehr lang, dann plant die Dame eigene Touren und ich muss hoffen, dass ich überhaupt noch mitdarf, wenn ich mich nicht schnell genug melde.

Nach dem Spiel konnte überraschend direkt ein Platz im ersten Bus ergattert werden, sodass man früh wieder in der Kneipe vom Mittag, Taxi Blues – absolute Empfehlung – saß. Während am Mittag die große Bierauswahl sowie die Musik bereits gefielen, toppte der Laden das am Abend nochmal mit eigenem DJ und wirklich leckeren Pelmini.

Heute dann wie gesagt nach Transnistrien, deren Grenze wir jetzt dann erreichen sollten. Morgen nochmal einen Tag Chişinău bevor es wieder zurück nach Rumänien geht, wo dann hoffentlich der nächste Bericht folgt.

#Olitsch

2 Kommentare zu „4000km Roadtrip – Part 1: Moldau

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